Gletschergarten eröffnet Sandstein-Pavillon mit «Arktis-Ausstellung»

Gletschergarten Sandsteinpavillon

Mit der Eröffnung einer Ausstellung über die Arktis im neuen Sandstein-Pavillon schliesst der Gletschergarten die Erneuerungsmassnahmen ab. Damit das Publikum kein Erlebnis im vergrösserten Gletschergarten verpasst, kann man neu elf Stationen ansteuern. Entlang dieser «Bucket List Tour» laden sich via QR-Code Sprechbeiträge mit den wichtigsten Informationen auf das Handy.

Am 21. Juni 2022 eröffnet der Gletschergarten mit einer Arktis-Ausstellung den neugebauten Sandstein-Pavillon. Damit findet eine über vierjährige Erneuerungsphase ihren Abschluss. Total investierte die Stiftung Gletschergarten rund 20 Millionen Franken in die Modernisierung. Der neue Pavillon ist hinter dem Schweizerhaus gelegen. Er zeigt sich architektonisch als Ausstülpung des Felsens. Seine Linien sind schnörkellos in Kunststein (Sichtbeton) gehalten und ermöglichen dem Auge einen ruhenden Moment im Übergang zum üppig wachsenden Garten. Ein grosser Teil des verbauten Betons wurde aus dem Bruchmaterial der Felsenwelt gemischt. Auch der Sandstein-Pavillon trägt die prägnante Handschrift des bekannten Schweizer Architekturbüros Miller & Maranta mit Sitz in Basel. 

Luzerner Sandstein als Baumaterial 
Im Pavillon gibt es zwei Ausstellungsräume sowie die Publikumstoiletten. Der grössere Raum ist für Sonderausstellungen gebaut. Der andere ist ein Projektionsraum mit der Möglichkeit zu Filmvorführungen für ein kleineres Publikum von etwa 20 Personen. Hier wird ein neuer Kurzfilm gezeigt, der den Gletschergarten als Ergebnis der Erd- und Tourismusgeschichte verständlich macht. Im bewegten Bild festgehalten sind Anekdoten über die Findlinge, den Höhlenbären oder auch die unbändige Suche von Reisenden nach authentischen Erlebnissen, wie das heute mit einem kurzen Schneeausflug auf den Titlis geschieht.

Klimaforschung in extremis
Während der Gesamterneuerung ruhte die Ausstellungstätigkeit im Gletschergarten. Die erste Sonderausstellung nach der Bautätigkeit widmet sich der internationalen MOSAiC-Expedition in die Arktis. Organisiert und koordiniert durch das deutsche Alfred-Wegener-Institut AWI startete diese Expedition im September 2019, umfasste ein ganzes Jahr und gilt allgemein als die grösste Forschungsreise unserer Zeit. Dabei steht MOSAiC für "Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate". Ein Jahr nahe dem Nordpol zu forschen bedeutete, dass die Forschungsteams sich während je sechs Monaten der Polarnacht sowie anschliessend des Polartags widmen konnten. Den interdisziplinär zusammenarbeitenden Teams diente ein Eisbrecherschiff als ständige Basis. Gesammelt wurden riesige Mengen an Daten. Von deren Auswertung verspricht man sich neue Erkenntnisse in der Klimaforschung. 

«Es sind eindrückliche Fotos und Objekte in der Ausstellung zu sehen. Sie zeugen von den Herausforderungen für Natur und Mensch in der unglaublich lebensfeindlichen Umgebung der Arktis.» sagt Andreas Burri, Direktor Gletschergarten. Die Bilder sprechen eine klare Sprache, die für alle Publikumsgruppen gut zugänglich ist. Die grossflächigen Fotografien ziehen die Betrachterinnen und Betrachter sofort in Bann. Dazu kommen informative Begleittexte sowie Filmmaterial der Expedition. «Neu bieten wir während der Sommerferien jeweils mittwochs und donnerstags um 14 und 15 Uhr öffentliche Einführungen zur Arktis-Ausstellung. Es kann kommen, wer da ist. Eine Anmeldung ist dafür nicht nötig.» sagt Andreas Burri. Weitere Angebote für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Themen der Expedition, bzw. der Ausstellung verlangen eine Anmeldung (vgl. dazu Kasten). 

Bucket List Tour als Audio-Guide
Eine weitere Neuerung erwartet das Publikum ab 21. Juni 2022 mit dem Audio-Guide. «Wer die elf Stationen ansteuert, verpasst keine Attraktion, die der Gletschergarten zu bieten hat,» freut sich Andreas Burri. Nötig für diese Bucket List Tour ist nur ein Handy mit Kamera und Netz-, bzw. Wifi-Zugang. Mit QR-Code können die Besucherinnen und Besucher Informationen in Form von Hörtexten direkt auf ihr Handy erhalten. Die elf Stationen sind im ganzen Gletschergarten verteilt. Sie sind mit roten Zirkonen in Übergrösse gekennzeichnet. Zirkone sind Mineralien, die in ihren kristallinen Formen zu den Edelsteinen gehören. Im Ausbruchmaterial der Felsenwelt wurden zahlreiche Zirkone gefunden, allerdings nur mit geringen Durchmessern von meist unter 1mm. Dafür beeindruckten sie durch ihr Alter, welches am geologischen Institut der ETH Zürich bestimmt wurde. Im Durchschnitt zeigten diese Luzerner Zirkone ein Alter von 300 Mio. Jahren. Einer wurde gar auf ein Alter von einer Milliarde Jahren datiert.

An Attraktivität gewonnen
Mit dem neuen Sandstein-Pavillon finden im Gletschergarten umfassende Erneuerungsmassnahmen ihren Abschluss. «Über 80 Prozent der Besucherinnen und Besucher kommen aus der Schweiz. Viele erinnern sich an den Gletschergarten von einem Schulausflug. Dieses Publikum kennt den heutigen Gletschergarten meist nicht wieder», sagt Andreas Burri. Die imposanten Gletschertöpfe unter dem grossen Zeltdach zeugen von tiefgreifenden klimatischen Veränderungen und versetzen das Publikum seit eh und je ins Staunen. Die neue Felsenwelt, die prächtige Parklandschaft, das historische Schweizerhaus mit den neu gruppierten Ausstellungselementen aber auch das beliebte Spiegellabyrinth tragen viel zum Gesamterlebnis Gletschergarten bei. «Die Rückmeldungen aus dem Publikum sind durchaus positiv und zuweilen sehr konstruktiv. Aufgrund von Anregungen unserer Gäste haben wir in der Felsenwelt noch eine zusätzliche Informationstiefe eingebaut. Auch der Audio-Guide in deutsch und englisch ist eine Antwort auf Publikumsbedürfnisse.»

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